Home Kultur & Systematik Blüte der Notokakteen Verlust der Achsennatur des Receptaculums
Verlust der Achsennatur des Receptaculums

Literatur:

Krainz, Hans Hrsg.: Die Kakteen
Buxbaum, Franz :Morphoöogie der Kakteen, Teil 2: Blüte
Gerloff, Norbert: Zur Insertion der Staubblätter bei den Notokakteen

Verlust der Achsennatur des Receptaculums

Infolge des Gesetzes der Verkürzung der vegetativen Phase geht im Verlauf der Höherentwicklung die Achsen- (Spross-)natur des Receptaculums verloren. Um dies richtig einzuschätzen ist es wertvoll, sich vor Augen zu halten, worin sich die Achsennatur äußert. Die axialen Charaktere sind:

  1.   Die Sukkulenz
  2.   Bildung von Areolen in den Schuppenachseln
  3.   Chlorophyllgehalt, d. h. die Fähigkeit zur Assimilation

Wir müssen dabei bedenken, dass die Blüte eine "Abschlusseinheit" des Wachstums ist, d. h. ein Spross, dessen Entwicklung mit der Ausbildung der Fruchtblätter abgeschlossen ist. Daraus folgt ein Saftstau, der gegen den Rand des Receptaculum am stärksten ist und daher die hier stehenden Blattorgane besonders fördert, wodurch sie zu Blütenhüllblättern werden. Die höchste Ableitungsstufe erreicht das Receptaculum dadurch, dass es völlig den Charakter eines Perianths annimmt, d. h. petaloid (kronblattartig) wird.

Der innere Bau der BlüteZeichnung Brederoo

Die Versorgung der Staubblätter erfolgt von einem besonderen, vom Hauptbündel des Receptaculums abzweigenden Gefäßbündel, das sich scharf nach unten wendet. Nur wenn die Zahl der Staubblätter so groß ist, dass ein Teil erst oberhalb der Auszweigung dieses Bündels inseriert ist, zweigen die Bündel zu diesen Staubgefäßen gradlinig ab. Bei großer Staubblattzahl erfolgt die Versorgung der Staubblätter in Gruppen, dann ist häufig eine ungleiche Länge festzustellen. Die Primärstaubblätter entspringen einer inneren Kante des Receptaculums. Die Basen wachsen längs der Kante abwärts und bilden das Nektariumgewebe.
In der Ausbildung des gesamten Nektarraums spielt das Verhalten des Receptaculumgewebes eine wichtige Rolle. Das Receptaculum kann auch nämlich auch oberhalb des Fruchtknotens so weit vorspringen, dass der Fruchtknoten praktisch völlig in Receptaculumgewebe eingewachsen ist. Oder aber das Receptaculum verläuft röhrenförmig geradlinig aus dem Pericarpellteil weiter und der Boden der "Röhre" wird von der Oberseite des Fruchtknotens selbst gebildet. Auf diese Weise entstehen sehr verschiedene Nektarräume.

Bei den Cereoideae kann man drei Grundtypen unterscheiden:

  1.   Den Nektarfurchen-Typus
  2.   Den Diskus-Typus
  3.   Den Nektarkammer-Typus Foto und Schnitt NGerloff

Der Nektarfurchen-Typus zeichnet sich dadurch aus, dass das Receptaculum, oberhalb des Fruchtknotens fast bis an den Griffel vorspringt, den Fruchtknoten also gänzlich einschließt. Dabei wird der Raum zwischen der Griffelbasis und Receptaculumwand, also die Nektarumzone so weit eingengt, dass nur eine Nektarfurche freibleibt.
Der Diskustypus ist eine Folge der mehr oder weniger vollkommenen Reduktion des Receptaculum. Hier ist überhaupt kein Receptaculum ausgebildet, sondern die Blütenachse ist nur verbreitert; dadurch ist die Gefäßbündelschlinge der Primärstaubblätter horizontal gestellt und über ihr entwickelt sich das Nektarium in Gestalt eines Diskus (Wulstes). Der Nektarkammer-Typus ist vom Nektarfurchen-Typu s ableitbar, unterscheidet sich aber von ihm dadurch, dass meist die Oberseite des Fruchtknotens die Basis der Kammer bildet. Ein deutlicher Achsenvorsprung bildet den Verschluss einer großen deutlichen Nektarkammer. Man unterscheidet:

  1. Die diffuse Nektarkammer
  2. Die offene Nektarkamme
  3. Die halboffene Nektarkammer
  4. Die geschlossene Nektarkammer
  5. Die Nektarkammer mit Wollverschluss